Presseschau, Mittwoch, 03. September 2014 15:00

Liebe und Verführung

Trotz wachsender "Kollateralschäden" hat der Kapitalismus eine große Anziehungskraft. Deutsche Intellektuelle fragen sich, warum. 

Von einer "unerwiderten Liebe der Menschen zum Kapitalismus" spricht der konservative Sozialforscher und wachstumskritische Ökonom Meinhard Miegel. Die Menschen würden die kapitalistische Wirtschaftsordnung nicht ablehnen, sondern sich zu ihr hingezogen fühlen, weil die Regeln einfach seien und das materielle Ergebnis stimme. Doch dies sei ein Vertrag zulasten Dritter. Es sei den Menschen gegeben, das zu erkennen und zu ändern.

"Warum heute keine Revolution möglich ist", erklärt der linksliberale Philosoph und Kulturwissenschaftler Byung-Chul Han so: Trotz der ständig wachsenden Schere zwischen Reich und Arm gebe es kaum Widerstand, weil die systemerhaltende Macht nicht mehr repressiv, sondern verführend sei. Der Neoliberalismus mache aus jedem einen Selbstausbeuter, der bei Rückschlägen sich selber statt der Gesellschaft problematisiere.

Weiterlesen: Die unerwiderte Liebe der Menschen zum Kapitalismus – Meinhard Miegel in der FAZ

Weiterlesen: Warum heute keine Revolution möglich ist – Byung-Chul Han in der Süddeutschen Zeitung