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Heft 13: Ressourcen und Macht

Die Verfügbarkeit über Ressourcen bedeutet Macht. Für die beginnende große Transformation zu einer nachhaltigen Entwicklung braucht es Gegenmacht.
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Heft 13: Ressourcen und Macht

Geld macht Macht

Durch veränderte Finanzflüsse wollen Klimaaktivisten der fossilen Wirtschaft Geld und Einfluss wegnehmen. In den Universitäten der Welt sammeln sich die Protestler unter dem Stichwort "Divestment".

Text: Susanne Schwarz

Seit dem 6. Mai 2014 ist die Uni Stanford im US-Bundesstaat Kalifornien ein Weltbürger. Als solcher, so sagte Hochschulrektor John Hennessy damals, habe Stanford "die Verantwortung, Nachhaltigkeit auf unserem Planeten voranzubringen". Es war der Tag, an dem die Uni Stanford Divestment gelobte. Zwei Jahre lang hatten Studierende der Gruppe "Fossil Free Stanford" darauf hingearbeitet – mit der Hochschulleitung diskutiert, gegen sie protestiert.

BildEngagiert sich für die studentische Divestment-Bewegung: Noam Chomsky, bekanntester linker US-Intellektueller. (Foto: Andrew Rusk/Flickr)

Der Divestment-Bewegung gehören etliche bekennende Antikapitalisten an, der US-amerikanische Linguist Noam Chomsky etwa und die kanadische Autorin Naomi Klein. Dabei geht es hier um das genaue Gegenteil von Kapitalismus-Boykott: Divestment greift auf, was die Finanzwirtschaft tagtäglich macht – Geld von A nach B schieben, in diesem Fall von der fossilen zur erneuerbaren Energiewirtschaft.

Dass auch Linke plötzlich kapitalistische Strukturen nutzen wollen, zeigt nur die Dringlichkeit des Klimaproblems. Auf den Zusammenbruch einer endlos wachsenden und erstaunlich strapazierfähigen Ausbeutungswirtschaft zu warten, dafür haben auch Chomsky und Klein angesichts einer Klima- und Umweltkatastrophe keine Zeit. Dass die Politik der Fossilwirtschaft bald höchstbehördlich Arbeitsverbot erteilt, ist unwahrscheinlich. Dann lieber den Kapitalismus mit seinen eigenen Waffen bekämpfen, so der Gedanke. Hier bedeutet Geld Macht, und die will man denen entziehen, die mit dem Klimawandel Profit machen.

Bisher sind den Öl-, Kohle- und Gaskonzernen durch Divestment weltweit 3,4 Billionen US-Dollar entgangen. Am stärksten haben sich daran religiöse Gruppen beteiligt, sie stellen ein Viertel der 623 Institutionen, die ihr Geld bisher aus fossilen Anlagen zurückgezogen haben. 13 Prozent sind Universitäten wie Stanford.

Uni-Leitung sieht keine Dringlichkeit

Es kommt nicht von ungefähr, dass die Divestment-Bewegung an den Forschungsstätten floriert. "Die Unis müssen hier die Führung übernehmen, denn durch sie wissen wir vom Klimawandel", schrieb der Gründer der US-Umweltorganisation 350.org, Bill McKibben, schon 2012 in einem berühmt gewordenen Gastbeitrag in der Musikzeitschrift Rolling Stone, der eine ganze Welle von neuen Uni-Divestment-Gruppen nach sich zog. Besonders in den USA, wo es viele milliardenschwere Privatunis gibt, lohnt sich das. Allein Stanford verwaltet ein Stiftungsvermögen von rund 22 Milliarden US-Dollar.

Es heißt aber genau hinzuschauen, wenn jemand Divestment verspricht. Stanford zum Beispiel hat sich nur von der Kohle verabschiedet, nicht jedoch von Öl und Gas. Genau das fordern aber die Studierenden von Fossil Free Stanford. "Der Klimawandel hat nicht aufgehört – unsere Bewegung also auch nicht", sagt Gruppensprecherin Courtney Pal.

Bisher stoßen die Studierenden mit ihrer Forderung auf Granit. "Wir sind davon überzeugt, dass langfristig nur ein niedriger Verbrauch von fossilen Treibstoffen gegen den Klimawandel helfen kann", schrieb das Kuratorium der Hochschule im Frühjahr in einem offenen Brief an Fossil Free. "Weil das aber noch dauern wird und Öl und Gas noch zu stark mit unserer Wirtschaft verflochten sind, glauben die Kuratoren nicht, dass Divestment in diesem Fall sinnvoll ist."

Es ist eine beliebte Argumentation: Noch ist es nicht so weit, dass die Finanzlücke, die durch ein bisschen Divestment entsteht, durch neue Investments ausgeglichen würde.

BildProtest junger Divestment-Aktivisten auf der Klimakonferenz in Paris: Lasst die fossilen Energien im Boden! (Foto: Benjamin von Brackel)

Noam Chomsky sieht das auch so, trotzdem ist er auf der Seite des Divestments: "Beim Divestment geht es nicht nur darum, Exxon Mobil zu ärgern", sagte der Sprachwissenschaftler in einer Rede vor der Divestment-Gruppe an "seiner" Uni, dem Massachusetts Institute of Technology (MIT). "Wenn große Institutionen wie das MIT, das den guten Ruf eines intellektuellen Weltzentrums genießt, ihr Geld aus klimaschädlichen Anlagen zurückziehen, weckt das Aufmerksamkeit für den Klimaschutz."