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Heft 13: Ressourcen und Macht

Die Verfügbarkeit über Ressourcen bedeutet Macht. Für die beginnende große Transformation zu einer nachhaltigen Entwicklung braucht es Gegenmacht.
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Heft 13: Ressourcen und Macht

"Ölmarkt passt sich Niedrigpreisen an"

BildMit Donald Trump wird in den USA das Umfeld für die Öl- und Kohleindustrie und auch für das Fracking wieder freundlich, sagt Kirsten Westphal von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Allerdings kann auch der neue US-Präsident die Vorherrschaft der Ölstaaten nicht erschüttern, so die Expertin für globale Energiefragen.

Frau Westphal, Donald Trump will die USA bei der Energieversorgung unabhängiger von Importen machen und mehr eigenes Öl fördern lassen. Wird damit der Ölpreis am Weltmarkt weiter niedrig bleiben?

Kirsten Westphal: Es zeichnet sich ab, dass mit Trump die gesamten Bemühungen der Obama-Regierung um den Klimaschutz sehr stark zurückgedreht werden. Das ist auch möglich, weil Obama das sehr exekutiv umgesetzt hat. Im Energiebereich werden – das kann man schon aus der Programmatik der Republikanischen Partei ableiten – Steuervergünstigungen für erneuerbare Energien zurückgefahren sowie regulatorische Maßnahmen gegen die Öl- und Kohleindustrie gelockert werden. Kurzum: Das Umfeld wird wieder freundlich auch für die Fracking-Industrie. All das hat in hohem Maße Auswirkungen auf die Weltmärkte von Öl wie auch der fossilen Brennstoffe insgesamt.

Was auf dem Ölmarkt passiert, liegt doch aber nicht mehr in der Hand eines Landes, seien es die USA oder sei es Saudi-Arabien?

Ja, unabhängig von dem, was Trump tun wird, bleiben die Fundamentaldaten im Ölmarkt bestehen. Die spielen eine größere Rolle als die Politik. Insofern ist auch von Bedeutung, ob die Opec entscheidet, die Förderung zu deckeln oder zu kürzen. Ob die Disziplin im Kartell lange anhält, darf aber in jedem Fall bezweifelt werden.

Trotz aller gesetzlichen Lockerungen werden auch künftig die US-Produzenten auf die Preissignale der Märkte reagieren. Beim Zusammenspiel von Preis und Angebot sind die USA allerdings in einer komfortablen Situation. Sie können sehr schnell auf Preisaufschläge in beide Richtungen reagieren. Beim Fracking reden wir über kleinere Mengen, über zeitlich kürzere Bohrungen ...

... dass die Fracking-Industrie der USA sich bisher flexibel auf den niedrigen Ölpreis einrichten und überleben konnte, hat doch überrascht.

Ja, die Ölindustrie ist sehr viel effizienter geworden und hat sich an das Niedrigpreis-Niveau angepasst. Allerdings sind große Fördernationen wie Saudi-Arabien mit Fracking nicht zu erschüttern, eher sind die kleineren, teureren Felder betroffen. Wir bekommen wieder eine Konzentration der Förderung in der sogenannten strategischen Ellipse von den persischen und arabischen Golfstaaten über den Iran bis nach Russland, wo wir die günstigsten Förderkosten haben.

BildDie "strategische Ellipse" zwischen Europa und Asien gilt als rohstoffreichste Weltregion. (Grafik: Simon Vardion/Wikimedia Commons)

Wirklich unter Druck geraten die teureren Felder, also die in der Nordsee, die arktischen und die Tiefseebohrungen. Das birgt, wenn man die Energiesicherheit im Blick hat, Nachteile für Europa. Nordseeöl wird praktisch nicht mehr konkurrenzfähig sein.

Gibt es Anzeichen, dass die Energiewende in Europa und womöglich auch schon weltweit den Ölverbrauch zurückgehen lässt?

Global gesehen steigt die Nachfrage nach Öl noch. In den OECD-Ländern stagniert sie zwar, aber wegen des dümpelnden Ölpreises steigt der Ölverbrauch auch wieder leicht. Auch in Deutschland fahren die Leute mehr und größere Autos. Solche Rebound-Effekte sieht man auch in den USA.

Die Verkehrswende haben wir in Deutschland bisher verschlafen. Da wird jetzt erst nachgelegt, es ist aber noch nicht ganz klar, auf welche Technologie man dabei, auch weltweit, setzt und welche sich durchsetzen wird. Zumindest für diesen Übergangszeitraum muss man noch Versorgungssicherheit beim Öl gewährleisten.

Viele profitieren vom niedrigen Ölpreis: Haushalte können ihr gespartes Geld woanders ausgeben, Konsum und Steuereinnahmen florieren, die Industrie hat Kostenvorteile – und auch Klimaschützer können sich freuen: Zumindest unterbleiben Investitionen in die künftige Erschließung von Ölreserven.

Darum muss man sich aber große Sorgen machen. Ich warne immer davor, irgendeinen Trend, auch den der günstigen fossilen Preise, linear fortzuschreiben. Das dritte Jahr hintereinander haben wir einen Rückgang bei den Investitionen, und zwar in einem Maße, das wir bisher noch nie gesehen haben. Wenn man von den bekannten zyklischen Effekten ausgeht, kommen wir ganz klar wieder in einen Schweinezyklus ...

... fehlende Investitionen führen zu einem sich verknappenden Angebot, der Preis steigt, es wird wieder investiert, das Angebot steigt, der Preis sinkt ...

... die Frage ist natürlich, ob das Pariser Klimaabkommen irgendwann den Ölbedarf mindestens deckelt und so den Zyklus unterbricht.

Dann könnte sich der Ölbedarf gewissermaßen an die unterbliebenen Investitionen anpassen.

Deswegen müsste man gerade jetzt diese Niedrigpreisperiode nutzen, um fiskalisch darauf hinzuwirken, dass Leute, wenn sie schon über mehr Kaufkraft verfügen, nun in energieeffiziente Autos mit erneuerbarem Antrieb investieren, damit wir nicht diese massiven Lock-in-Effekte gerade im Verkehrssektor haben.

Lock-in?

Das bedeutet: Wenn ich mir jetzt ein Auto kaufe, nutze ich es mindestens für die nächsten fünf bis acht Jahre. Und derzeit werden eben die falschen Autos gekauft. Wenn ich jeden Morgen zur Arbeit radle, kann ich kaum noch über die vielen SUVs hinwegsehen. Die sprießen wie Pilze aus dem Boden.

Was macht der aktuelle Investitionsverzicht mit den Ölkonzernen? In Deutschland schreiben ja fossil-atomare Konzerne wie RWE und Eon Milliardenverluste und es nicht klar, ob sie die Energiewende als Großkonzern überleben. Droht das Shell und Co dasselbe?

Die Firmen müssen sich neu aufstellen und das passiert auch, zum Beispiel durch Mehrinvestitionen in die Erdgasförderung. Einige weiten die Produktion auch schon auf Erneuerbare aus.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist es aufgrund der US-Wahl aber schwierig einzuschätzen, wie konsequent das Paris-Abkommen wirklich umgesetzt wird. Es steht schon die Befürchtung eines Domino-Effekts im Raum: Andere Länder könnten den USA folgen, wenn diese wieder stärker auf Öl, Gas und Kohle setzen, oder keine weitere Anstrengungen im Klimaschutz unternehmen, wenn die USA wegfallen.

Hat die wachsende globale Divestment-Bewegung Auswirkungen auf den weltweiten Ölmarkt oder ist das noch Wunschdenken?

Es hat Auswirkungen, aber noch keine massiven. Noch einmal: Alle stehen wegen der US-Wahl noch unter Schock und man muss erst sehen, wie sich die Märkte zurechtsortieren.

Zudem führen auch die Digitalisierung und die Elektrifizierung zu fundamentalen Veränderungen im Energiesektor. Auch da ist noch fraglich, wie die "alten" Firmen damit umgehen und was diese Entwicklungen mit ihnen machen.

BildDie Ölwirtschaft ist auf dem absteigenden Ast, aber die Entwicklungen verlaufen nicht linear, sagt Kirsten Westphal. (Foto: Unsplash/Pixabay; Porträtfoto Kirsten Westphal: SWP)

Öl galt ja immer als das Schmiermittel der Weltwirtschaft. Wer über das Öl verfügte, konnte die Weltmärkte dominieren. Ist das immer noch so?

Es gilt noch, aber die Bedeutung des Öls nimmt ab. Schon rein quantitativ gesehen wird Öl künftig eine etwas kleinere Rolle spielen, vergleichbar etwa der von Erdgas. Schaut man in die Statistiken des Jahres 2035, dann werden die drei fossilen Ressourcen Öl, Gas und Kohle jeweils etwa ein Drittel Anteil am Weltmarkt für fossile Rohstoffe haben. Längerfristig zeichnet sich schon ab, dass Öl nicht mehr die Leitwährung für andere Energieträger sein wird.

Das Bild vom Schmiermittel gilt auf jeden Fall aber noch für die Regierungen in den ölreichen Ländern. Und die nächste große geopolitische Frage ist, welche alternativen, wirtschaftlichen Wachstumsmodelle die Regierungen finden, die nicht mehr so stark auf dem Ölexport aufbauen. Auch da haben wir große Fragezeichen.

Interview: Jörg Staude

<p><img src="http://bilder.klimaretter.info/filestore/1/7/8/8/4_7e5c60bdf1a7f54/17884pre_e34965f96618ace.jpg?v=2016-07-30+22%3A12%3A38" alt="Bild" />Mit Donald Trump werden die Steuervergünstigungen für erneuerbare Energien zurückgefahren und regulatorische Maßnahmen gegen die Öl- und Kohleindustrie gelockert, befürchtet <strong>Kirsten Westphal</strong> von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Aber auch ein Präsident Trump könne die Vorherrschaft der traditionellen Ölstaaten nicht erschüttern.<br /><span class="from">Interview: Jörg Staude</span></p>
<hr id="system-readmore" />
<p><em><img src="http://bilder.klimaretter.info/filestore/1/8/4/7/3_10c1597719284b4/18473pre_45c480128368749.jpg?v=2016-12-09+17%3A32%3A41" alt="Bild" style="margin-left: 5px; float: right;" />Mit Donald Trump werden die Steuervergünstigungen für erneuerbare Energien zurückgefahren und regulatorische Maßnahmen gegen die Öl- und Kohleindustrie gelockert, befürchtet <strong>Kirsten Westphal</strong> von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Aber auch ein Präsident Trump könne die Vorherrschaft der traditionellen Ölstaaten nicht erschüttern, <em>so die <a href="http://www.swp-berlin.org/de/wissenschaftler-detail/profile/kirsten_westphal.html" target="_blank">Expertin für globale Energiefragen</a></em>.<br /></em></p>
<p><strong>klimaretter.info: Frau Westphal, Donald Trump will die USA bei der Energieversorgung unabhängiger von Importen machen und mehr eigenes Öl fördern lassen. Wird damit der Ölpreis am Weltmarkt weiter niedrig bleiben?</strong></p>
<p><strong>Kirsten Westphal</strong>: Es zeichnet sich ab, dass mit Trump die gesamten Bemühungen der Obama-Regierung um den Klimaschutz sehr stark zurückgedreht werden. Das ist auch möglich, weil Obama das sehr <a href="http://www.klimaretter.info/politik/nachricht/16519-klimaschutz-am-senat-vorbei" target="_blank">exekutiv umgesetzt</a> hat. Im Energiebereich werden – das kann man schon aus der Programmatik der Republikanischen Partei ableiten – Steuervergünstigungen für erneuerbare Energien zurückgefahren sowie regulatorische Maßnahmen gegen die Öl- und Kohleindustrie gelockert werden. Kurzum: Das Umfeld wird wieder freundlich auch für die Fracking-Industrie. All das hat in hohem Maße Auswirkungen auf die Weltmärkte von Öl wie auch der fossilen Brennstoffe insgesamt.</p>
<p><strong>Was auf dem Ölmarkt passiert, liegt doch aber nicht mehr in der Hand eines Landes, seien es die USA oder sei es Saudi-Arabien?</strong></p>
<p>Ja, unabhängig von dem, was Trump tun wird, bleiben die Fundamentaldaten im Ölmarkt bestehen. Die spielen eine größere Rolle als die Politik. Insofern ist auch von Bedeutung, ob die Opec entscheidet, die Förderung zu deckeln oder zu kürzen. Ob die Disziplin im Kartell lange anhält, darf aber in jedem Fall bezweifelt werden.</p>
<p>Trotz aller gesetzlichen Lockerungen werden auch künftig die US-Produzenten auf die Preissignale der Märkte reagieren. Beim Zusammenspiel von Preis und Angebot sind die USA allerdings in einer komfortablen Situation. Sie können sehr schnell auf Preisaufschläge in beide Richtungen reagieren. Beim Fracking reden wir über kleinere Mengen, über zeitlich kürzere Bohrungen ...</p>
<p><strong>... dass die Fracking-Industrie der USA sich bisher flexibel auf den niedrigen Ölpreis einrichten und <a href="http://www.klimaretter.info/wirtschaft/nachricht/21279-usa-bleiben-oelfoerderland-nummer-eins" target="_blank">überleben</a> konnte, hat doch überrascht.</strong></p>
<p>Ja, die Ölindustrie ist sehr viel effizienter geworden und hat sich an das Niedrigpreis-Niveau angepasst. Allerdings sind große Fördernationen wie Saudi-Arabien mit Fracking nicht zu erschüttern, eher sind die kleineren, teureren Felder betroffen. Wir bekommen wieder eine Konzentration der Förderung in der sogenannten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Strategische_Ellipse" target="_blank">strategischen Ellipse</a> von den persischen und arabischen Golfstaaten über den Iran bis nach Russland, wo wir die günstigsten Förderkosten haben.</p>
<p><img src="http://bilder.klimaretter.info/filestore/1/8/4/7/5_6cec0133c0a3038/18475pre_a566e2cb5f2efef.jpg?v=2016-12-10+15%3A08%3A09" alt="Bild" /><span class="bildunterschrift">Die "strategische Ellipse" zwischen Europa und Asien gilt als rohstoffreichste Weltregion. (Grafik: </span><a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Strategic_ellipse.svg" target="_blank" class="bildunterschrift">Simon Vardion/Wikimedia Commons</a><span class="bildunterschrift">)</span></p>
<p>Wirklich unter Druck geraten die teureren Felder, also die in der Nordsee, die arktischen und die Tiefseebohrungen. Das birgt, wenn man die Energiesicherheit im Blick hat, Nachteile für Europa. Nordseeöl wird praktisch nicht mehr konkurrenzfähig sein.</p>
<p><strong>Gibt es Anzeichen, dass die Energiewende in Europa und womöglich auch schon weltweit den Ölverbrauch zurückgehen lässt?</strong></p>
<p>Global gesehen steigt die Nachfrage nach Öl noch. In den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation_f%C3%BCr_wirtschaftliche_Zusammenarbeit_und_Entwicklung" target="_blank">OECD-Ländern</a> stagniert sie zwar, aber wegen des dümpelnden Ölpreises steigt der Ölverbrauch auch wieder leicht. Auch in Deutschland fahren die Leute mehr und größere Autos. Solche <a href="http://www.klimaretter.info/tipps-klima-lexikon/20683-rebound-effekt" target="_blank">Rebound-Effekte</a> sieht man auch in den USA.</p>
<p>Die Verkehrswende haben wir in Deutschland <a href="http://www.klimaretter.info/mobilitaet/hintergrund/21502-agora-verkehrswende" target="_blank">bisher verschlafen</a>. Da wird jetzt erst nachgelegt, es ist aber noch nicht ganz klar, auf welche Technologie man dabei, auch weltweit, setzt und welche sich durchsetzen wird. Zumindest für diesen Übergangszeitraum muss man noch Versorgungssicherheit beim Öl gewährleisten.</p>
<p><strong>Viele profitieren vom niedrigen Ölpreis: Haushalte können ihr gespartes Geld woanders ausgeben, Konsum und Steuereinnahmen florieren, die Industrie hat Kostenvorteile – und auch Klimaschützer können sich freuen: Zumindest unterbleiben Investitionen in die künftige Erschließung von Ölreserven.</strong></p>
<p>Darum muss man sich aber große Sorgen machen. Ich warne immer davor, irgendeinen Trend, auch den der günstigen fossilen Preise, linear fortzuschreiben. Das dritte Jahr hintereinander haben wir einen Rückgang bei den Investitionen, und zwar in einem Maße, das wir bisher noch nie gesehen haben. Wenn man von den bekannten zyklischen Effekten ausgeht, kommen wir ganz klar wieder in einen Schweinezyklus ...</p>
<p><strong>... fehlende Investitionen führen zu einem sich verknappenden Angebot, der Preis steigt, es wird wieder investiert, das Angebot steigt, der Preis sinkt ...</strong></p>
<p>... die Frage ist natürlich, ob das <a href="http://www.klimaretter.info/klimakonferenz/klimagipfel-paris" target="_blank">Pariser Klimaabkommen</a> irgendwann den Ölbedarf mindestens deckelt und so den Zyklus unterbricht.</p>
<p><strong>Dann könnte sich der Ölbedarf gewissermaßen an die unterbliebenen Investitionen anpassen.</strong></p>
<p>Deswegen müsste man gerade jetzt diese Niedrigpreisperiode nutzen, um fiskalisch darauf hinzuwirken, dass Leute, wenn sie schon über mehr Kaufkraft verfügen, nun in energieeffiziente Autos mit erneuerbarem Antrieb investieren, damit wir nicht diese massiven Lock-in-Effekte gerade im Verkehrssektor haben.</p>
<p><strong>Lock-in?</strong></p>
<p><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Lock-in-Effekt" target="_blank">Das bedeutet</a>: Wenn ich mir jetzt ein Auto kaufe, nutze ich es mindestens für die nächsten fünf bis acht Jahre. Und derzeit werden eben die falschen Autos gekauft. Wenn ich jeden Morgen zur Arbeit radle, kann ich kaum noch über die vielen SUVs hinwegsehen. Die sprießen wie Pilze aus dem Boden.</p>
<p><strong>Was macht der aktuelle Investitionsverzicht mit den Ölkonzernen? In Deutschland schreiben ja fossil-atomare Konzerne wie <a href="http://www.klimaretter.info/wirtschaft/nachricht/21728-kommunen-loesen-sich-von-rwe-aktien" target="_blank">RWE</a> und <a href="http://www.klimaretter.info/wirtschaft/nachricht/22224-milliardenverlust-bei-eon" target="_blank">Eon</a> Milliardenverluste und es nicht klar, ob sie die Energiewende als Großkonzern überleben. Droht das Shell und Co dasselbe?</strong></p>
<p>Die Firmen müssen sich neu aufstellen und das passiert auch, zum Beispiel durch Mehrinvestitionen in die Erdgasförderung. Einige weiten die Produktion auch schon auf Erneuerbare aus.</p>
<p>Zum jetzigen Zeitpunkt ist es aufgrund der US-Wahl aber schwierig einzuschätzen, wie konsequent das Paris-Abkommen wirklich umgesetzt wird. Es steht schon die Befürchtung eines Domino-Effekts im Raum: Andere Länder könnten den USA folgen, wenn diese wieder stärker auf Öl, Gas und Kohle setzen, oder keine weitere Anstrengungen im Klimaschutz unternehmen, wenn die USA wegfallen.</p>
<p><strong>Hat die wachsende globale <a href="http://www.klimaretter.info/thema/divestment" target="_blank">Divestment-Bewegung</a> Auswirkungen auf den weltweiten Ölmarkt oder ist das noch Wunschdenken?</strong></p>
<p>Es hat Auswirkungen, aber noch keine massiven. Noch einmal: Alle stehen wegen der US-Wahl noch unter Schock und man muss erst sehen, wie sich die Märkte zurechtsortieren.</p>
<p>Zudem führen auch die Digitalisierung und die Elektrifizierung zu fundamentalen Veränderungen im Energiesektor. Auch da ist noch fraglich, wie die "alten" Firmen damit umgehen und was diese Entwicklungen mit ihnen machen.</p>
<p><span class="bildunterschrift"><img src="http://bilder.klimaretter.info/filestore/1/7/8/8/4_7e5c60bdf1a7f54/17884pre_e34965f96618ace.jpg?v=2016-07-30+22%3A12%3A38" alt="Bild" />Die Ölwirtschaft ist auf dem absteigenden Ast, aber die Entwicklungen verlaufen nicht linear, sagt Kirsten Westphal. (Foto: <a href="https://pixabay.com/de/person-wandern-rohrleitung-rohr-731319/" target="_blank">Unsplash/Pixabay</a>; Porträtfoto Kirsten Westphal: SWP)</span></p>
<p><strong>Öl galt ja immer als das Schmiermittel der Weltwirtschaft. Wer über das Öl verfügte, konnte die Weltmärkte dominieren. Ist das immer noch so?</strong></p>
<p>Es gilt noch, aber die Bedeutung des Öls nimmt ab. Schon rein quantitativ gesehen wird Öl künftig eine etwas kleinere Rolle spielen, vergleichbar etwa der von Erdgas. Schaut man in die Statistiken des Jahres 2035, dann werden die drei fossilen Ressourcen Öl, Gas und Kohle jeweils etwa ein Drittel Anteil am Weltmarkt für fossile Rohstoffe haben. Längerfristig zeichnet sich schon ab, dass Öl nicht mehr die Leitwährung für andere Energieträger sein wird.</p>
<p>Das Bild vom Schmiermittel gilt auf jeden Fall aber noch für die Regierungen in den ölreichen Ländern. Und die nächste große geopolitische Frage ist, welche alternativen, wirtschaftlichen Wachstumsmodelle die Regierungen finden, die nicht mehr so stark auf dem Ölexport aufbauen. Auch da haben wir große Fragezeichen.</p>
<p class="from">Interview: Jörg Staude</p>