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Heft 1: Kreisläufe

In einer begrenzten Welt sind Ressourcen nur begrenzt verfügbar. Statt weiter gewaltige Summen für glitzernde Wolkenkratzer und Spekulationsgeschäfte zu verschwenden, müssen sie jetzt in die Energie- und Verkehrswende und in eine Kreislaufwirtschaft investiert werden. 
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Heft 1: Kreisläufe

Im Tuk-Tuk der Sonne entgegen

Bislang gab es nur Prototypen von solarbetriebenen Tuk-Tuks. Doch nun eröffnet die weltweit erste Fabrik für die Massenfertigung dieser Dreiräder. Und dann kommt der Praxistest: Lassen sich Kambodschas Tuk-Tuk-Fahrer von dem neuen Hightech-Gefährt überzeugen? 

Text: Christian Mihatsch, Phnom Penh

Ägypten hat den Import von Tuk-Tuks verboten. Sie stellten eine Gefahr für die Sicherheit dar, erklärte die Militärregierung. Dabei geht es den Machthabern aber nicht um die Sicherheit der Passagiere. In den engen Gassen Kairos könnten Tuk-Tuks als Fluchtfahrzeuge genutzt werden, fürchten die Generäle. Denn gefährlich müssen Tuk-Tuks nicht sein. In verschiedenen europäischen Ländern und den USA sind die dreirädrigen Vehikel für den Straßenverkehr und sogar als Taxis zugelassen.

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Tuk-Tuks, die noch mit Benzin fahren. (Foto: Marek/Wikimedia Commons)

Erfunden wurden Tuk-Tuks kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Italien. Der Vespa-Hersteller Piaggio wollte einen billigen und wendigen Lieferwagen schaffen. Von vorne sieht das noch immer produzierte Piaggio-Modell denn auch aus wie eine Vespa. Hinten hat es aber zwei Räder und je nach Verwendung eine Fahrgastkabine oder einen Laderaum. Wie der Name Tuk-Tuk schon vermuten lässt, waren die ersten Modelle mit Zweitakt-Motoren ausgerüstet. Aus diesem Grund galten Tuk-Tuks denn auch als Hauptverantwortliche für die Luftverschmutzung in asiatischen Metropolen wie Bangkok oder Delhi. Doch dieses Problem ist längst gelöst. Entweder werden nun Viertakt-Motoren verbaut oder die Gefährte fahren mit Gas.

Damit sind die Tuk-Tuk Fahrer aber immer noch vom Benzin- oder Gaspreis abhängig. Obwohl die Dreiräder nur 2,9 Liter Sprit auf 100 Kilometer verbrauchen, können sich viele Fahrer keine Tankfüllung leisten, wie Jakob Maimon in Kambodscha beobachtet hat: "Nachdem wir ein Tuk-Tuk genommen haben, fuhr der Fahrer erst zu einer Tankstelle und hat für einen Dollar getankt. Ich habe ihn dann gefragt, warum er den Tank nicht vollmacht. Doch der Fahrer meinte, das könne er sich nicht leisten."

Vier Stunden aufladen reicht für 100 Kilometer

Damit war die Idee für Solar-Tuk-Tuks geboren. Maimon ist der Gründer der australischen Solarfirma Star8 und baut derzeit in Kambodscha eine Fabrik für photovoltaische Dachziegel und -fenster. Die Ziegel sollen nach Australien exportiert werden, doch die neueste Produktlinie ist für den kambodschanischen Markt gedacht: die sechs verschiedenen Modelle des Solar-Tuk-Tuks – vom Taxi bis zum Gefrierguttransporter.

Die Gefährte sind für sechs bis acht Passagiere oder eine Tonne Fracht ausgelegt. Die Solarzellen auf dem Dach und den ausklappbaren Seitenwänden haben einen Nennleistung von 1.000 Watt. Damit können die Batterien innerhalb von drei bis vier Stunden aufgeladen werden. Anschließend hat das Tuk-Tuk eine Reichweite von 100 Kilometern und eine Spitzengeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern. Da die Tuk-Tuks mit zwei Batteriepaketen ausgestattet sind, können sie auch während der Fahrt aufgeladen werden. Außerdem besteht die Möglichkeit Netzstrom zu laden. Umgekehrt kann der Batteriestrom aber auch zum Laden anderer Elektrogeräte wie Mobiltelefone genutzt werden. In Kambodscha, wo nur jeder vierte Haushalt einen Stromanschluss hat, ist das ein wichtiger Vorteil. 

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Ein Sonnen-Tuk-Tuk im Einsatz. (Foto: Mihatsch)

Ob sich die Solar-Tuk-Tuks schließlich durchsetzen, hängt aber von weiteren Faktoren ab. Da ist zum einen der Preis: Ein normales Tuk-Tuk (in Kambodscha ein Motorrad mit Anhänger) kostet etwa 2.000 Dollar. Das ist auch der Zielpreis von Maimon. Vorn Pao, der Präsident von IDEA, einer Gewerkschaft für die Arbeiter in der informellen Wirtschaft, mahnt aber noch weitere Eigenschaften an: Zum einen müsse das Tuk-Tuk strapazierfähig sein, um den schlechten Straßen Kambodschas wiederstehen zu können. Und zum anderen müsse es auch extrem schwere Lasten transportieren können. Denn Pao weiß: Auch wenn das Tuk-Tuk nur für sechs bis acht Passagiere ausgelegt ist, werden oft genug zehn und mehr Menschen darin Platz finden.