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Heft 1: Kreisläufe

In einer begrenzten Welt sind Ressourcen nur begrenzt verfügbar. Statt weiter gewaltige Summen für glitzernde Wolkenkratzer und Spekulationsgeschäfte zu verschwenden, müssen sie jetzt in die Energie- und Verkehrswende und in eine Kreislaufwirtschaft investiert werden. 
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Heft 1: Kreisläufe

Editorial

Wir leben in einer Zeit, in der die Folgen der vom Menschen gemachten Naturzerstörung deutlich werden: Klimawandel, Wetterextreme, Peak Oil, Umweltflüchtlinge. Aber wir leben noch in einer Zeit, in der die schlimmsten Auswirkungen verhindert werden können. Wir brauchen eine breite Debatte über die sozialökologische Transformation 

Text: Damian Ludewig, Michael Müller, Christel Schroeder, Jörg Sommer, Hubert Weiger

1972 gründete eine Gruppe engagierter Umweltschützer und Wissenschaftler um Horst Stern, Konrad Lorenz, Bernhard Grzimek, Hubert Weinzierl und Heinz Sielmann die Gruppe Ökologie. Mit dem Ökologischen Manifest machte sie Furore und hatte einen entscheidenden Anteil am Entstehen der umweltkritischen Öffentlichkeit. Ohne diese Initiative wäre die Erfolgsgeschichte der Umwelt- und Naturschutzbewegung vielleicht nicht möglich geworden.

Jetzt ist eine weitergehende Einmischung notwendig. Wie nie zuvor formt der Mensch die Natur. Wir leben im Menschenzeitalter, in der die sozialökologische Transformation zur Überlebensfrage wird. Aber noch immer werden gewaltige Summen für den Bau glitzernder Wolkenkratzer und unanständige Spekulationsgewinne verschwendet, statt in die Energie- und Verkehrswende oder in eine Kreislaufwirtschaft investiert zu werden.

Zerstören oder gestalten

Die Menschheit ist in einen Abschnitt eingetreten, für den in unserer Geschichte keine Entsprechung zu finden ist. Wir leben in einer Zeit, in der die Folgen der vom Menschen gemachten Naturzerstörung deutlich werden: Klimawandel, Wetterextreme, Peak Oil, Umweltflüchtlinge. Aber wir leben noch in einer Zeit, in der die schlimmsten Auswirkungen verhindert werden können.

Angesichts der synergistischen Gefahren, die mit der bisherigen Form der nachholenden Industrialisierung, dem anhaltenden Bevölkerungswachstum, den abrupten Klimaänderungen, der Ölverknappung, dem möglichen Zusammenbruch ganzer Landwirtschaftssysteme und den geballten Folgen städtischer Verwahrlosung verbunden sind, spitzt sich die Alternative zu: zerstören oder gestalten.

Mutige Konzepte für eine "Ökologie 2.0" 

Deshalb ergreifen wir – die Umweltorganisationen BUND, Deutsche Umweltstiftung, Euronatur, FÖS und Naturfreunde – die Initiative, um aus der ökologischen Sicht gesellschaftspolitische Zusammenhänge deutlich zu machen und die Perspektive einer sozialökologischen Transformation aufzuzeigen. Wir verstehen uns als "neue" Gruppe Ökologie, die aber nicht mehr um die Anerkennung des Natur- und Umweltschutzes kämpfen muss, sondern heute die Frage stellt, wie eine Wirtschaft und Gesellschaft aussehen muss, die sozial gerecht und ökologisch verträglich ist. Wir nennen das Ökologie 2.0.

Wir suchen mutige Konzepte, die den Herausforderungen – Armut und Ungleichheit, Klimaänderungen, Verknappung von Energie, Wasser und biologischer Vielfalt – mit einer ganzheitlichen Vision des humanen Fortschritts begegnen. Die Rückkehr zu einem utopischen Denken ist nicht realitätsblind, sondern notwendig, um uns aus ökologischer Sicht von einer falschen Wirklichkeit zu befreien.

Aufruf zur Debatte

Unsere Sichtweise ist nicht das scheinbar Machbare, sondern das Notwendige, das wir machbar machen wollen. Wir brauchen eine breite Debatte über die sozialökologische Transformation, wir müssen politisch werden, um die Zusammenhänge zu verstehen und sie zu deuten. Alles andere käme einem politischen und moralischen Versagen gleich. Wir bitten die Leserinnen und Leser, sich an unserem Diskurs zu beteiligen.

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Wie nie zuvor formt der Mensch die Natur. Wir leben im Menschenzeitalter, in der die sozialökologische Transformation zur Überlebensfrage wird. (Foto: Nick Reimer)