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Heft 2: Klimaschutz

Um den Klimawandel zu stoppen, müssen bis 2040 pro Jahr 250 Milliarden Euro in erneuerbare Energien und eine effiziente Wirtschaft fließen. Entweder investieren wir pro Kopf und Jahr 500 Euro in Klimaschutz – oder eine Generation nach uns das Zehnfache. 
Das Heft als PDF (2,5 MB) – Oktober 2014

Heft 2: Klimaschutz

Die letzte Chance zu einem Klimavertrag

Um den globalen Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen, darf die Konzentration der Treibhausgase nur noch wenig ansteigen. Deshalb soll 2015 in Paris ein neuer Weltklimavertrag beschlossen werden. Erstmals soll er alle Staaten zum Einsparen von Treibhausgasen verpflichten. 

Text: Nick Reimer

Dieser Tag wird in die Geschichte eingehen: Zum ersten Mal haben Wissenschaftler des Observatoriums auf Hawaii am 9. Mai 2013 eine Konzentration von 400 Teilen Kohlendioxid pro einer Million Teile Atmosphäre gemessen – englisch "parts per million", ppm. Mitte des 19. Jahrhunderts – das haben Eiskernuntersuchungen ergeben – lag die Treibhausgas-Konzentration noch bei 280 ppm. Als die Wissenschaftler 1958 auf dem 4.170 Meter hohen Vulkan Mauna Loa mit ihrer Messreihe begannen, war der Wert bereits auf 315 ppm gestiegen.

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Das globale Referenz-Observatorium Mauna Loa auf Hawaii hat im Mai 2013 erstmals ein Tagesmittel über 400 ppm Kohlendioxid in der Atmosphäre gemessen. (Foto: University Corporation for Atmospheric Research/Wikimedia Commons)

1992 kletterte die Konzentration auf 358 ppm. Es war das Jahr, in dem die UN-Klimarahmenkonvention beschlossen wurde. Mit ihr verpflichteten sich die mittlerweile 194 Vertragsstaaten, "die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre auf einem Niveau zu stabilisieren, das eine gefährliche menschliche Beeinflussung des Klimasystems vermeidet". Damit wurde die Erderwärmung offiziell zur vordringlichsten Bedrohung der Menschheit erklärt. Im Artikel 7 wurde eine "Konferenz der Vertragsstaaten" festgeschrieben. Das war die Geburt der Weltklimakonferenzen. Die 22. dieser Konferenzen tritt in diesem Jahr in Perus Hauptstadt Lima zusammen.

2015 soll in Paris ein neuer Weltklimavertrag beschlossen werden. Erstmals soll dieser Vertrag alle Staaten zum Einsparen von Treibhausgasen verpflichten. In Kraft treten soll er 2020. Die lange Übergangsfrist ist notwendig, um den UN-Vertrag zu ratifizieren, also völkerrechtlich in nationales Recht zu überführen. Die Parlamente Russlands, Belgiens oder Kenias müssen dem Vertrag genauso zustimmen wie alle anderen Parlamente der 194 Vertragsstaaten. Beim Kyoto-Protokoll, dem bislang geltenden Weltklimavertrag, dauerte diese Prozedur acht Jahre.

Reduktionsziele für alle Länder

Parallel dazu hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon eine Diplomatie-Offensive gestartet: Auf dem sogenannten Ban-Ki-Moon-Gipfel im September sollten sich die Vertragsstaaten gegenüber der UNO zu konkreten Reduktionszielen verpflichten. In einem zweiten Schritt wird dann bis März 2015 analysiert, ob die zugesagten Ziele fair verteilt und ausreichend für das Zwei-Grad-Limit sind. Falls nicht, schlägt die UNO Nachbesserungen vor und die Mitgliedsstaaten erhalten Gelegenheit, ihre Ziele anzupassen.

Warum der ganze Aufwand? Die Wissenschaft betrachtet eine Konzentration von 450 ppm als Obergrenze, um den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Mit 70-prozentiger Wahrscheinlichkeit wäre eine solche Erderwärmung beherrschbar, jenseits dieser Grenze aber werden sogenannte Kipp-Systeme ausgelöst, die die Erderwärmung verselbständigen.

Beispielsweise sind unter den dauergefrorenen Permafrostböden Sibiriens oder Nordamerikas Milliarden Kubikmeter Methan "gefangen" – ein 24-mal aggressiveres Klimagas als Kohlendioxid. Tauen sie auf, ist es egal, ob der Mensch Klimaschutz betreibt oder nicht: Gegen die Rasanz eines solchen Effekts gäbe es kein Gegenmittel mehr.

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Die Klimakonferenz von Doha 2012 ergab ein Verhandlungsmandat, mit dem 2015 in Paris ein neuer Weltklimavertrag beschlossen werden soll. (Foto: Nick Reimer)

Um am Ende des Jahrhunderts den Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen, darf die Konzentration der Treibhausgase also 450 ppm nicht überschreiten. Im Mai 2013 ist die Schwelle von 400 ppm zum ersten Mal überschritten worden. Jährlich kommen derzeit zwei ppm dazu. "Was wir heute sehen, ist zu 100 Prozent von Menschen verursacht", erklärte damals Pieter Tans von der US-Ozeanografiebehörde NOAA. So hoch wie heute sei die Treibhausgas-Belastung der Atmosphäre zuletzt vor zwei Millionen Jahren gewesen, sagte Tans – und der Meeresspiegel zwischen zehn und 20 Metern höher.