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Heft 2: Klimaschutz

Um den Klimawandel zu stoppen, müssen bis 2040 pro Jahr 250 Milliarden Euro in erneuerbare Energien und eine effiziente Wirtschaft fließen. Entweder investieren wir pro Kopf und Jahr 500 Euro in Klimaschutz – oder eine Generation nach uns das Zehnfache. 
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Heft 2: Klimaschutz

Editorial

Die unbequeme Wahrheit lautet: Weder bei der Energiewende noch beim Klimaschutz ist Deutschland Spitzenreiter – auch wenn der ein oder andere Wirtschaftslobbyist das gern so darstellt. Deutschlands Bemühungen um den Klimaschutz bedeuten auch nicht den Untergang der Wirtschaft. Im Gegenteil: Mehr als einmal hat sich Deutschland auf internationaler Ebene eher als Bremser denn als Treiber erwiesen. Fakt ist: Die Energiewende in Deutschland ist weder zu schnell noch zu teuer. Sie ist längst auch nicht mehr globale Blaupause – wenn sie das je war.

Text: Jörg Sommer

In dieser Ausgabe von movum widmen wir uns deshalb dem Klimaschutz. Dabei ist der Widerspruch zwischen den wissenschaftlichen Erkenntnissen und der Unfähigkeit der Politik, daraus Konsequenzen zu ziehen, erschreckend groß. Wir erleben einen ökologischen Kolonialismus, der die Zukunft ausplündert und schon heute die Erde spaltet. Vor allem die armen Erdregionen sind schon jetzt die Hauptbetroffenen zunehmender Wetterextreme.

Und weil die dringend nötige sozialökologische Transformation keine national lösbare Frage ist, verlieren wir dabei den Blick auf die internationale Situation nicht aus dem Auge. Die Einordnung unserer deutschen klimapolitischen Bemühungen, Perspektiven und leider auch Blockaden in globale Zusammenhänge und Entwicklungen ist wichtig.

Wir Herausgeber schrieben in der Erstausgabe von movum: "Unsere Sichtweise ist nicht das scheinbar Machbare, sondern das Notwendige, das wir machbar machen wollen." In der Klimapolitik müssen wir konstatieren: Nicht einmal das Machbare wird getan. Im Klimaschutz sind die Bemühungen nach wie vor oft halbherzig, zögerlich und greifen vor allem viel zu spät. Was wir brauchen, ist mehr Mut, Energie und Dynamik in diesem Prozess. Diese Dynamik auch in die Debatte um eine sozialökologische Transformation zu bringen – das war und ist eines der zentralen Motive der Herausgeber von movum. Wir waren uns nicht sicher, ob uns das gelingen würde – und entsprechend gespannt auf die Reaktionen zur Erstausgabe.

Wir brauchen einen breiten, kritischen Diskurs

Heute können wir feststellen: Zuspruch, Ermutigung, Themenvorschläge, Argumente, Autorenvorschläge – und unzählige Abo-Anfragen haben unsere Erwartungen bei Weitem übertroffen. Als wir vor Jahresfrist in kleinem Kreis erstmals über die Idee der "Briefe zur Transformation“ gesprochen haben, waren wir uns unsicher: Würden wir genügend Interessierte und Unterstützer finden können? Ist das Thema Transformation für die Menschen wichtig, erfassbar und erfahrbar? Kann es uns überhaupt gelingen, die Komplexität des Themas in Form eines zweimonatigen, kompakten Mediums zu durchdringen?

Wir wissen noch nicht, ob uns das letztlich gelingen wird. Wir wissen aber, dass wir schon heute einen großen Kreis von kritischen Leserinnen und Lesern haben – und nichts freut uns mehr als dieser Anfangserfolg.

Doch es soll nicht beim reinen Lesen bleiben – das wird weder dem Thema noch unserem Anspruch gerecht. Wir brauchen einen breiten, lebhaften, kritischen und kreativen Diskurs. Diesen Diskurs wollen wir mit unserer Leserschaft in den kommenden Monaten gemeinsam entwickeln. Dazu freuen wir uns über Vorschläge.

Die Debatte hat erst begonnen – dazu laden wir alle Interessierten herzlich ein!

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Im Klimaschutz sind die Bemühungen nach wie vor oft halbherzig, zögerlich und greifen vor allem viel zu spät. (Foto: Brot für die Welt)

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