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Heft 8: Finanzpolitik

Die Preise sollen die ökologische Wahrheit sagen. Aber auch die massive Ungleichverteilung der Vermögen und Einkommen ruft nach einer anderen Finanzpolitik. Helfen Ökosteuern, Niedrigzinsen oder Subventionsabbau?
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Heft 8: Finanzpolitik

Grüne Anlagen-Fonds mit Fracking und Kinderarbeit

Der Markt der nachhaltigen Investitionen wächst – doch sind nur die wenigsten wirklich öko und sozial. Entwicklungsorganisationen haben ethische Kriterien entwickelt, um Investitionen zu bewerten. Politische Forderungen stellen sie bisher nicht.

Text: Susanne Götze

Gibt man heute sein Geld in die Hände konventioneller Banken, Versicherungen oder gar Investmentfonds, kann man nie sicher sein, ob es in der Welt nicht Schaden anrichtet. Denn das sauer verdiente Geld soll ja für einen "arbeiten" und dabei Rendite abwerfen. Was mit dem Geld geschieht, wenn es für uns Profit "erwirtschaftet", wissen viele nicht oder wollen es auch gar nicht wissen. Aber das ändert sich gerade.

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Wo Grün draufsteht, müsste auch Grün drin sein – doch bei den meisten "nachhaltigen" Fonds sind Praktiken wie Fracking offenbar nicht ausgeschlossen. (Foto: Simon Fraser University/​Flickr)

Weil mehr und mehr Menschen Wert darauf legen, dass ihr Geld keinen Schaden anrichtet, versprechen immer mehr Anlagefonds, ihre Investitionen nach sozialen und ökologischen Kriterien auszuwählen. Das Geld soll "verantwortungsvoll" angelegt werden, als "ethisches Investment".

Noch sind derartige Investments zwar Ausnahmen – doch die Nachfrage ist in den letzten Jahren rasant gestiegen. Im Jahr 2001 lag der Anteil der sogenannten ethisch-ökologischen Fonds noch bei 0,7 Prozent. Damals gab es deutschlandweit weniger als 50 Fonds, die zusammen rund 2,4 Milliarden Euro investiert hatten. Heute sieht das schon ganz anders aus. 2013 haben laut dem Sustainable Business Institute (SBI) in Oestrich bei Wiesbaden 383 als nachhaltig registrierte Fonds insgesamt rund 40 Milliarden Euro investiert.

Von 400 Fonds sind zehn wirklich "ethisch"

Begibt man sich in den nachhaltigen Anlagedschungel, sieht auf den ersten Blick alles sehr gerecht, sozial und umweltverträglich aus. Doch so ist es leider nicht. "Von den rund 400 am Markt angebotenen Fonds folgen nur rund zehn wirklich strengen Kriterien", bedauert Antje Schneeweiß vom Südwind-Institut für Ökonomie und Ökumene in Siegburg bei Bonn. Bei allen anderen könnten ethisch fragwürdige Praktiken in der Wertschöpfungskette wie Fracking oder Kinderarbeit nicht ausgeschlossen werden.

"Die Weltwirtschaft funktioniert nicht nachhaltig – deshalb ist es auch schwer, Geld nachhaltig anzulegen", so die Finanzexpertin. Noch mehr als bei Bioprodukten und fairem Handel gilt: Allein auf gut klingende Namen kann man sich nicht verlassen. Je nach Angebot investiert man nur ein bisschen ethisch korrekt oder sehr weitgehend – oder irgendwo dazwischen.

Aber es gibt Hilfe: Neben der Anlageberatung entwickeln die Verbraucherzentralen Marktübersichten und stellen beispielsweise Best-Practice-Listen zusammen. "Bei den Fonds raten wir den Anlegern immer zu schauen, in welche Firmen genau investiert wird – oft gibt es dann ein großes Staunen, wenn plötzlich BMW oder Starbucks in Nachhaltigkeitsfonds auftauchen", erklärt Ulrike Brendel von der Verbraucherzentrale Bremen. "In der Politik tut sich seit Jahren nichts, um dem Wildwuchs bei ethischen Investments zu begegnen." Brendel ist sich sicher, dass nur gesetzlich verbindliche Mindeststandards das Greenwashing in der Branche stoppen können.

Mittlerweile ist der Markt für die einstigen Nischenfinanzprodukte auch zunehmend professionell geworden. Es haben sich sogar private Bewertungsagenturen gegründet, die Produkten und Unternehmen ein Zeugnis ausstellen. Ähnlich wie beim EU-Biosiegel soll so eine Mindest-Sicherheitsgarantie für Anleger geschaffen werden.

Best Practice: Ein Fonds mit strengen Kriterien

Ein Beispiel für sogenannte Best Practice ist der Fairworldfonds: Die Hilfsorganisation Brot für die Welt hat 2010 zusammen mit dem Südwind-Institut Kriterien für ethische Investments entwickelt und sie an die Gründer eines Fonds weitergereicht. Dabei gründeten mehrere Organisationen wie die GLS Bank zusammen mit der Genossenschaftsbank Union Investment den Fairworldfonds.

"Unsere Kriterien für nachhaltige Investments gelten als die strengsten auf dem Markt", sagt Michael Türk, Unternehmensexperte bei Brot für die Welt. Die im Fairworldfonds angebotenen Aktien und Anleihen durchlaufen ein mehrstufiges Prüfverfahren. Dementsprechend gibt es "Ausschlusskriterien" und "Positivkriterien", nach denen eine Anlage oder ein Unternehmen im Fonds bewertet werden.

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Leider kaufen die Anleger heute noch oft die Katze im Sack. Allzu oft lässt sich selbst Kinderarbeit nicht wirklich ausschließen. (Foto: Maurizio Costanzo/Wikimedia Commons)

Eine politische Kampagne zur Festschreibung sozialer und ökologischer Standards gibt es jedoch noch nicht. "Die Investoren und Anleger müssten diese Kriterien bei den Unternehmen einfordern", meint Türk von Brot für die Welt. Dies sei der effizienteste Weg, um im konventionellen Investmentsektor wirklich nachhaltig etwas zu ändern.