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Heft 8: Finanzpolitik

Die Preise sollen die ökologische Wahrheit sagen. Aber auch die massive Ungleichverteilung der Vermögen und Einkommen ruft nach einer anderen Finanzpolitik. Helfen Ökosteuern, Niedrigzinsen oder Subventionsabbau?
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Heft 8: Finanzpolitik

Der Aufstieg der grünen Banken

Während die traditionellen Geldhäuser seit der Finanz- und Bankenkrise an Vertrauen eingebüßt haben, boomen grüne Banken in Deutschland. Um neue Kunden müssen sie sich nicht sorgen, auch weil die Hürden für einen Wechsel immer mehr abgebaut wurden.

Text: Benjamin von Brackel

Als Julia Manzke vor ein paar Jahren nach Berlin zog, stellte sich für sie die Frage, zu welcher Bank sie nun gehen sollte. Da nahm sie einfach die um die Ecke: die Dresdner Bank. Die wurde später von der Commerzbank aufgekauft. "Commerzbank" – den Namen fand Manzke, die einen Blog zur Nachhaltigkeit betreibt, unsympathisch. Und als die Finanz- und Bankenkrise kam, tauchten auf einmal lauter Fragen bei ihr auf. Was passiert da eigentlich gerade?

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Grüne Banken haben durch die Finanzkrise an Kundschaft gewonnen. (Foto: GLS-Bank)

Sie wusste es nicht und hatte auch nicht das Gefühl, dass ihre Bank es wusste. "Dann habe ich angefangen, mich mit dem Thema auseinanderzusetzen", erzählt die Unternehmensberaterin. Manzke recherchierte im Internet – und was sie fand, gefiel ihr nicht: "Meine Bank ist eine der Hauptfinanzgeber der Atomwirtschaft!" Es dauerte noch ein, zwei Jahre, bis Manzke zur Triodos-Bank wechselte, einer der Handvoll grüner Banken in Deutschland, die nur in ökologische oder soziale Projekte investieren. Dass es gerade diese Bank wurde, lag an Bequemlichkeit: Mit der Kreditkarte der Bank kann sie an fast allen Geldautomaten kostenlos Geld abheben.

Wie Julia Manzke entscheiden sich immer mehr Menschen für grüne Banken. Während die traditionellen Geldinstitute durch die Finanzkrise und Berichte über Zinsmanipulationen, Steuerskandale und Fehlberatung viel Vertrauen verspielt haben, boomen die nachhaltigen Geldhäuser. Um neue Kunden müssen sie kaum werben – sie kommen von selbst.

Raus aus der Nische

Die Vorjahres-Bilanzen der vier großen grünen Banken können sich sämtlich sehen lassen – alle wachsen kräftig. Branchenprimus ist die GLS-Bank mit einer Bilanzsumme von über drei Milliarden Euro und 165.000 Kunden. Dahinter folgen die Umweltbank mit 2,5 Milliarden Euro und knapp 115.000 Kunden sowie die Ethikbank mit über 310.000 Euro und 50.000 Kunden. Erst 8.000 Kunden in Deutschland hat die niederländische Bank Triodos, die europaweit ihre Bilanzsumme 2013 um fast ein Viertel auf über sechs Milliarden Euro steigern konnte und die 500.000er-Marke bei den Kunden gebrochen hat.

Die grünen Banken haben ihre Nische verlassen und wenden sich inzwischen an die breite Masse. Sechsstellige Kundenzahlen mit Tendenz nach oben sprechen eine deutliche Sprache. Aber grüne Bank ist nicht gleich grüne Bank. Die vier Marktführer unterscheiden sich in einigen Punkten deutlich.

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Die Ethikbank, eine Tochter der Volksbank Eisenberg, hat sich spezialisiert auf die Finanzierung von Passiv- und Energiesparhäusern. (Foto: Ethikbank)

So geht die Umweltbank einen Sonderweg. Als einzige der vier großen grünen Banken bietet sie keine Girokonten an – wer Kunde werden will, braucht ein weiteres Konto. Viele schreckt das erst mal ab, sie wollen alles unter einem Hut haben. Aber das Konzept der Zweitbank ist bei dem 1997 gegründeten Nürnberger Geldhaus durchaus gewollt: Zu jeder Zeit auf das Konto zugreifen zu können, ohne dass die Bank weiß, ob die Kunden in soziale und ökologische Projekte investieren – das habe nichts mit einer nachhaltigen Anlage zu tun. Und so investiert die Umweltbank mit den Einlagen ihrer Kunden nur in Umweltprojekte; vor allen in Solaranlagen, aber auch in die ökologische Gebäudesanierung sowie in Wind- und Wasserkraft. Über 15.000 Umweltprojekte hat die Bank schon mit insgesamt etwa zwei Milliarden Euro finanziert.

Die anderen drei großen grünen Banken geben sich pragmatischer und haben sich breiter aufgestellt: Sie finanzieren auch soziale Projekte. Kunden der GLS-Bank, der ältesten Ökobank, können wählen, wo ihr Geld bevorzugt angelegt wird – in einem Windpark, einer Waldorfschule, einer Biomolkerei, einem Wohnprojekt für Menschen mit geistiger Behinderung oder einem Yogazentrum. Die Kunden der 1974 gegründeten Bank mit Sitz in Bochum können außerdem verfolgen, wo ihr Geld am Ende landet.

Keine Angst ums Geld

In puncto Transparenz können da etwa die relativ nachhaltigen Kirchenbanken wie die Steyler-Bank in Sankt Augustin bei Bonn nicht mithalten – auch nicht, was die hohen Kriterien für die Anlagen betrifft.

Auch wenn es ihr vor allem um die Umwelt gehe, sagt Manzke, so sei es für sie auch in Ordnung, dass ihre Bank in soziale Projekte investiert. Wichtiger ist ihr ohnehin der Ausschluss von bestimmten Investitionsbereichen: Massentierhaltung, Atomwirtschaft, Nahrungsmittelspekulation.

Als sie ihren Freunden davon erzählte, dass sie zu einer ökologischen Bank wechselt, reagierten die erst mal skeptisch: "Ist das überhaupt sicher?", kam als Frage. Dabei hätten viele Bekannte und Arbeitskollegen im Zuge der Finanz- und Bankenkrise Geld verloren. "Schlimmer kann es auch nicht kommen!", dachte sich Manzke.

Wer zu einer der Ökobanken wechselt, muss jedenfalls keine Angst um sein Geld haben. Auch die grünen Geldinstitute sind abgesichert. Die GLS-Bank etwa ist Mitglied im Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken und die Gelder der Kunden sind über den Einlagensicherungsfonds komplett abgesichert. An den 18.500 Geldautomaten können sie kostenlos Geld abheben. Außerdem unterhält die GLS ein kleines Filialnetz in sieben Großstädten – eine Besonderheit unter den nachhaltigen Banken. Die Ethikbank etwa bedient ihre Kunden am Telefon oder über das Internet.

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Inzwischen kann ein Konto bei einer grünen Bank im Ergebnis mit den etablierten Geldhäusern mithalten. (Foto: I-vista/Pixelio)

Während die Kunden von nachhaltigen Banken eher weniger Zinsen einstreichen können, werden ihnen, wenn sie ins Minus gehen, aber auch weniger Zinsen abkassiert, die GLS-Bank verlangt etwa 7,5 Prozent. Eines allerdings lässt einige noch vor einem Wechsel zu einer Umweltbank zurückschrecken, davon kann auch Julia Manzke aus ihrem Bekanntenkreis berichten: die relativ hohen Kontoführungsgebühren. Etwa 60 Euro muss der Besitzer eines Girokontos bei einer grünen Bank pro Jahr einrechnen, will er auch Bank- und Kreditkarte nutzen. Dafür weiß er, was mit seinem Geld passiert.