Presseschau, Donnerstag, 12. Oktober 2017 23:23

Papst erregt Widerspruch bei Eigentumsfrage

Die Neubewertung des Privateigentums durch Papst Franziskus sorgt auch unter wachstumskritischen Gemeindemitgliedern für intensive Debatten. Bei einer Diskussion mit dem prominenten Sozialethiker und Wirtschaftswissenschaftler Friedhelm Hengsbach in Olching bei München hatte dieser zunächst Franziskus' Enzyklika "Laudato si" vorgestellt. Der emeritierte Professor und Jesuit arbeitete heraus, dass der Papst die ökologische Zerstörung der Erde und die Verelendung großer Teile der Menschheit der herrschenden Wirtschaftsweise anlastet. Schließlich betonte Hengsbach, dass Franziskus das Privateigentum an Produktionsmitteln nicht mehr heiligspreche, sondern darauf beharre, dass alle Menschen ein Recht auf die Güter der Erde haben. Der Einwand einiger Zuhörer, viele Unternehmen würden heute Rohstoffe und Energie sparen, wurde mit Hinweis auf den Rebound-Effekt entkräftet: Der Verbrauch pro Gütereinheit sinkt, aber der Gesamtverbrauch steigt, weil die Gütermenge wächst. Wachstumskritik sei deshalb entscheidend in der Enzyklika, sagte Hengsbach. Er merkte an, dass technokratisches Denken und Anthropozentrismus, die der Papst ebenfalls anprangert, auch auf das Christentum mit seinem "Macht euch die Erde untertan" zurückgehe. Im Konflikt zwischen Wirtschaft, Umwelt und Sozialem sei ein Ausgleich notwendig. Strukturelle Änderungen müssten von sozialen Bewegungen durchgesetzt werden.

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