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Heft 4: Anthropozän

Die Veränderungen des Erdsystems durch den Menschen haben ein Ausmaß erreicht, bei dem plötzliche Veränderungen der Umwelt immer häufiger auftreten. Wir leben im "Menschenzeitalter", im Anthropozän.
Das Heft als PDF (5,5 MB) – Februar 2015

Heft 4: Anthropozän – Kommentare, Mittwoch, 25. Februar 2015 14:12

Ist ein "radikaler Umbruch" wirklich so utopisch?

Wo finde ich neben der zutreffenden Beschreibung der Probleme wirklich "radikalen Umbruch"? Einmal angenommen, Mensch sei heute in der Lage, die Grundbedürfnisse der Menschen zu befriedigen – mehr noch: Weil er auf die Verschwendung "verzichtet" (ist das ein Verzicht?), kann er das so Benötigte in einer kürzeren Zeit herstellen, als heute für Blasen erforderlich ist. Dann stelle ich mir die Richtung eines wirklich radikalen Umbruchs so vor, dass das Benötigte zur Verfügung steht wie die Atemluft.

Unvorstellbar? Weil Mensch nur arbeitet, wenn es dem Aufhäufen von Geldbergen dient? Also: er muss durch Marktmechanismen gezwungen werden?

Mensch hat lange Zeit gearbeitet ohne Geld. Mensch findet auch heute eher Befriedigung in ehrenamtlicher Arbeit. Ist der Erhalt einer bewohnbaren Erde kein Zwang?

Weiter: Natürlich muss die Produktion zur Bedürfnisbefriedigung organisiert werden. Aber ist das tatsächlich unvorstellbarer als eine Produktion weltweit, bei der erst ein Bedürfnis eingeredet werden muss?

Mensch reagiert auf nichts derartig panisch wie auf Atemnot. Trotzdem gibt es nicht ein Bankschließfach, in dem Atemluft gehortet wird. Wir gehen davon aus, dass – zumindest derzeit – genug Atemluft zur Verfügung steht.

Mit uns zieht eine neue Zeit, die sich befreien muss von den Formen der (ungerechten) Verteilung des Mangels, weil genug möglich ist. Wie viel "Staat" ist dafür nötig, insbesondere wie viel Nationalstaat? Wie viel Staat ist heute nötig bei der Zuteilung der Atemluft (und wie viele Großbanken)?

Ich gehe von der Erkenntnis aus, dass alle bisherigen Klimakonferenzen deutlich machen, dass nationalstaatliche Einzelinteressen dem Klimaschutz entgegenstehen. Da bedarf es eines radikalen Umbruchs: Auf der Grundlage einer Produktion, die ohne den Umweg der Steuerung durch Maximalprofit auskommt, ist es nicht mehr nötig, dass ein Mensch auf Kosten eines anderen lebt.

Utopie? Mag sein: Aber mir erscheint das weniger utopisch als die Fortsetzung des "Weiter so". Zumindest kann ich zunehmende Vernunft nicht erkennen angesichts des Säbelrasselns. Es ist nicht mehr nötig, dass wir unsere Bedürfnisse auf Kosten anderer befriediegen. Machen wir was draus.

Paul Bender

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